Eine kleine Wintertour durch Sachsen und Böhmen, Teil 1

Da mir die kleine Wintertour, die ich im Juli 2015 auf der südamerikanischen Insel Feuerland unternommen hatte, sehr gefallen hat, hatte ich mich, aufgrund des schönen Winterwetters, spontan entschlossen, eine Tour durch Sachsen und Böhmen bis in den äußersten südöstlichen Zipfel Deutschlands, an der tschechischen und polnischen Grenze zu unternehmen.

auf den ersten Kilometern durchs ErzgebirgeVerirren sich schon selbst in den warmen Jahreszeiten nur wenige Reiseradler ins Erzgebirge, so merkte ich schnell, dass ich hier im Winter eine ganz seltene Spezies bin. Immer wieder schauten die Leute erstaunt und neugierig zu mir. Fast wie in Indien. Aber mit dem Unterschied, dass Sie hier nicht auf den Fremden zugehen und nach dem Woher und Wohin fragen und auch nicht, wie so oft in Indien, nach dem Preis meines Fahrrades fragen.

Es war ein angenehmer, erster Radeltag mit leichten Plusgraden, als ich die sanften Berge des Erzgebirges auf und ab fuhr. Sogar die Sonne zeigte sich am Nachmittag, so dass es fast schon frühlingshaft war.
Doch als ich am nächsten Morgen aus dem Zelt schaute, überlegte ich, ob meine Schokoladenvorräte reichen werden. Es herrschte trübes, graues Montagswetter mit nur wenigen Hundert Metern Sichtweite. Erst als ich später auf fast 800 Metern Höhe den Erzgebrigskamm überquerte, besserte es sich ein wenig.
Erinnerungen wurden wach, als ich die Grenze nach Tschechien überschritt. Schon vier Jahre ist es mittlerweile her, dass ich zu Beginn meiner Weltreise, nur wenige Kilometern weiter westlich, zusammen mit meinem Vater, die Grenze überschritt. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, hinauszuziehen und die ganze Welt vor sich zu haben.
Nahe Seiffen, im Dorf Deutscheinsiedel überquerte ich die Grenze nach Tschechien.
 Auch wenn ich jetzt nur eine Woche im Sattel vor mir hatte, ein wenig aufregend und spannend war der Grenzübertritt, wie jede Grenzüberquerung auf meiner Reise, trotzdem. Vieles ändert sich meist schlagartig. Die Menschen, die Kultur, die Bauweise der Häuser und natürlich auch die Sprache. Vor allem über die Sprache machte ich mir Gedanken. Wie sollte ich mit den Menschen hier kommunizieren?Aus Gewohnheit heraus kam mir zuerst Spanisch in den Sinn. Denn das war die Sprache, die ich bei meinem letzten längeren Auslandsaufenthalt in Südamerika täglich nutzte. Doch Spanisch spricht hier keiner. Und Englisch? Sicher nur die Jüngeren. Und warum nicht einfach Tschechisch? Ja, das ist das Problem! Ich spreche kein Tschechisch.

Da bin ich nur vierzig Kilometer von der Grenze entfernt aufgewachsen und habe, wie die meisten Deutschen hier, nie tschechisch gelernt. Man muss dazu aber auch sagen, dass es die Tschechen den Deutschen ziemlich leicht machen. Denn viele sprechen ein wenig Deutsch. Wie der ältere Mann, den ich um etwas Wasser bat. Ein- bis zweimal im Monat sei er in Dresden, erzählte er mir. Die Stadt gefalle ihm. Auch den Elberadweg beiderseits der Grenze ist er schon ein Stück gefahren.

Ich mag es nicht, mich auf meinen Reisen von vornherein auf eine Strecke festzulegen. Vor allem dann nicht, wenn man in dichtbesiedelten Regionen jede Menge Möglichkeiten hat. Ich habe immer eine ungefähre Route und natürlich ein Ziel im Kopf. Doch wo ich dann genau entlangfahren werde, das entscheide ich meist erst am Vorabend.
beim Kartenstudium abends im ZeltObwohl ich ein GPS-Gerät bei mir habe, so speichere die geplante Strecke lieber in meinem Kopf als in dem Gerät ab. Auch wenn es für Manche vielleicht etwas altmodisch ist, ich liebe es, mich mit einer Landkarte und der Ausschilderung zu orientieren. Nur selten frage ich daher das kleine elektronische Helferlein um Rat. Vor allem in größeren Städten oder wenn man eine bestimmte Adresse sucht, dann ist so ein Gerät sehr hilfreich.
Das Betrachten einer Landkarte ist für mich fast genauso interessant wie das Lesen eines Buches. Immer wieder schweife ich beim Suchen einer schönen Route auf der Landkarte ab. Hier ein kleines Dorf mit einer Kirche in der Mitte, da eine alte Burg auf einem Hügel, dort eine Stadt, die als sehenswert markiert ist.

Und so entdeckte ich beim Lesen der Karte die Stadt Terezin, besser bekannt als Theresienstadt, eine im 18.Jahrhundert als Festung errichtete Garnisionsstadt, die während des zweiten Weltkrieges als KZ zu trauriger Berühmtheit gelangte.
Ich kannte zwar die Stadt aus den Medien, aber dass sie doch so nah liegt, das wusste ich nicht. So entschied ich mich spontan einen etwas größeren Bogen weiter südwärts über Terezin und Litomerice zu fahren.

Da reise ich um die halbe Welt und stellte auch beim Erreichen von Litomerice fest, dass das Schöne doch so nah liegt. Die Stadt an der Elbe besitzt eine wunderschöne Altstadt im typisch böhmischen Stil. Lange hielt ich mich hier jedoch leider nicht auf, denn bei nur einer Woche Urlaub, sitzt einem immer ein wenig die Zeit im Nacken.
Ich war zum ersten Mal hier, und war überrascht, wie schön es doch hier ist.
Auch die Landschaft an der Elbe, der ich bis Decin folgte, mit ihren steilen Hängen links und rechts des Flusses auf denen teilweise Wein und Obst angebaut wird, riss mich in ihren Bann.

Und was ich dann in der böhmischen Schweiz, im Zittauer Gebirge sowie auf der restlichen Tour bis Bautzen erlebte, das gibts im nächsten Bericht.

 

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